Bürgerdialog Bodman-Ludwigshafen

Zukunftsdialog als wegweisender Auftakt für Gemeindeentwicklung

(Südkurier) - Rund 100 Menschen beteiligten sich beim Bürgerdialog im Seeum Bodman-Ludwigshafen. Dabei gab es erste Ideen für fünf wichtige Themenbereiche, nächster Schritt ist die Bildung und Beratung von Arbeitsgruppen.

Beim ersten Zukunftsdialog mit Blick auf Bodman-Ludwigshafen im Jahr 2035 ging es um nichts weniger als die Entwicklung der Gemeinde. Das war auch den rund 100 Beteiligten bewusst, die der Einladung der Gemeinde folgten und sich im Seeum in Bodman zu den Themen Digitalisierung, Landwirtschaft, Infrastruktur, Lebensqualität und wirtschaftliche Entwicklung austauschten.

Darunter waren auch einige Gemeinderäte. Während Professor Roland Scherer von der Universität St. Gallen eingangs mit einem Impulsvortrag die wissenschaftliche Perspektive auf Grundlage von Zahlen aufzeigte, ging es bei den anschließenden Beratungsrunden auch um persönliche Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen.

Das Prinzip waren rasch klar: Fünf Themen, 16 Tische, jeweils 20 Minuten Zeit bei zwei Durchläufen. Die Ergebnisse füllten wenig später viele Stehtafeln, einzelne Plakate waren über und über mit Notizzetteln versehen. Darauf standen Dinge wie "Erhalt der besonderen Landschaft" als Chance der Landwirtschaft durch Globalisierung und Regionalisierung. Ein Risiko? Monokulturen und zu wenig Gewinn für Obstbauern. Erika Zahn, Karin Weber, Wali Merk und Regina Modenbach haben diese Stichpunkte erarbeitet und sich dazu lebhaft ausgetauscht. Wenige Tische weiter war Digitalisierung Thema. "Dabei geht es ja nicht nur um Internet, sondern auch um Arbeitsformen, Onlinehandel und Industrie 4.0", sagte Benno Störkle. Der Geschäftsführer einer Datenverarbeitungs-Firma sah das auch als Chance, hochspezialisierte Leute zu gewinnen.

"Da könnte Bodman-Ludwigshafen punkten, weil wir ein gutes Umfeld haben", stimmte Joachim Hölzle zu, der als Vertriebler bereits ortsunabhängig arbeitet. Neben der Betrachtung von Risiken gab es auch Empfehlungen, worauf die Gemeinde achten sollte: Infrastruktur, eine Vielfalt von Anbietern sowie standardisierte Konzepte für Kommunikation und Marketing. So das Ergebnis auf allein einem der 16 Plakate.

Innerhalb von zwei Stunden kamen viele Aspekte und Handlungsempfehlungen zusammen, die nun ausgearbeitet werden sollen. "Die Konzepte sind nicht für die Schublade", sagte Bürgermeister Matthias Weckbach. Gerade die aktuelle Situation des schnellen und starken Wandels fordere eine Beteiligung der Bürger: "Wir brauchen den Input und die breite Basis, um zu wissen, in welche Richtung es geht." Laut Referent Roland Scherer werden Dinge immer kurzfristiger und grundsätzlicher.

"Wir wissen nicht, was kommt, aber wir wissen, es wird anders sein und man kann sich darauf einstellen." Dafür machte er die Megatrends Bevölkerungsentwicklung, Wertewandel, Digitalisierung, Globalisierung und Regionalisierung sowie Ressourcen und Klimawandel aus. Und für Bodman-Ludwigshafen empfahl er auf Nachfrage beispielsweise Gebäude, die vielfältig nutzbar sind. Grundsätzlich sei der gesunde Menschenverstand mit Erfahrungswerten bei allen Überlegungen nicht zu unterschätzen.

Bei der Beteiligung sollen laut Weckbach alle Altersgruppen zu Wort kommen, auch die Arbeitsgruppen sollen mit einem Querschnitt der Bevölkerung besetzt sein. Um junge Einwohner zu erreichen, möchte Weckbach sie noch gezielter kontaktieren. Robert Bentele war mit 22 Jahren einer der jüngsten Teilnehmer. "Ich habe schon vor, in diesem Ort zu bleiben, daher ist das ja auch meine Zukunft", sagte er. Laut Professor Scherer ziehen 30 Prozent der Menschen zwischen 20 und 30 Jahren in eine Metropolregion, Demografie sei eine Herausforderung auch wegen des Fachkräftemangels. Bentele will bleiben und sich weiter einbringen: "Man lebt dort, wo andere Urlaub machen."

Projekt und Zeitplan

Die Auftaktveranstaltung des Bürgerdialogs wurde von dem Konstanzer Beratungsunterhemen Translake betreut, das zum offenen Austausch ermunterte. Die Ergebnisse sollen bis Freitag auf der Webseite der Gemeinde veröffentlicht werden. Außerdem könne man sich auch noch für Arbeitsgruppen eintragen. Deren Treffen sind am Dienstag, 10. April, und am Dienstag, 5. Juni. Am Dienstag, 19. Juni, sollen die Ergebnisse beim Zukunftsdialog öffentlich präsentiert werden. Am 10. Juli ist Redaktionstreffen der Lenkungsgruppe, bevor im September "Bodman-Ludwigshafen 2035" veröffentlicht werden soll.

Quelle: Südkurier

Dokumentation der Veranstaltung

Kurzfilm zur Veranstaltung

Zurück