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Blog von Annegret Krohmer
Jugendförderungsprojekt in Buenos Aires
28.Jul.2006
(<-- Iguazú Wasserfälle an der brasilianischen Grenze)
Hallo Zusammen!
Mit seiner Liedzeile: "Wer jetzt nicht lebt, wird nichts erleben", spricht mir Herbert Grönemeyer aus dem Herzen. Ich freue mich darauf, in den nächsten drei Monaten auf dieser Seite meine Erfahrungen und Erlebnisse über die Mitarbeit an einem Jugendförderungsprojekt in Buenos Aires niederzuschreiben. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Argentinischen Handelskammer und dem Argentinischen Arbeitsministerium, wobei die Jugenförderung im Vordergrund stehen wird.
Nach meiner Ausbildung zur Bankkauffrau in meiner Heimatstadt Kempten im Allgäu, studiere ich nun an der Universität Konstanz Wirtschaftspädagogik und Politikwissenschaften mit dem Ziel, als Lehrerin im beruflichen Schulwesen tätig zu sein. Vor diesem Hintergrund erachte ich es als äußerst hilfreich, auf ein breites Spektrum kultureller Erfahrungen zurückgreifen zu können, um den Schulalltag kompetent und angenehm zu gestalten.
Bereits vor gut einem Jahr, konnte ich die Chance wahrnehmen, im Rahmen meines Studiums an einer deutschen Schule in Argentinien zu unterrichten und mir einen Einblick in die Mentalität und die Kultur Argentiniens zu verschaffen.
Ab Mitte August sind hier meine Erfahrungen mit Projekt, Land und Leute nachzulesen. Bis dahin verbleibe ich mit einem kleinen bildlichen Vorgeschmack über ein vielseitiges und spannendes Land und bedanke mich bei Translake für die Unterstützung!
(<-- Die südlichste Stadt der Welt - Ushuaia)
Die deutschsprachigen Vereinigungen in Buenos Aires
25.Aug.2006
...nun sind bereits 10 Tage vergangen, seit dem ich in Buenos Aires verweile und bereits nach kurzer Zeit, fühle ich mich wieder wie zu Hause. Die Herzlichkeit der Menschen begegnet mir an allen Ecken und Enden in Buenos Aires, sei es bei der Arbeit, beim Spanischlernen oder bei der Freizeitgestaltung.
Momentan arbeite ich bei der Deutsch-Argentinischen Handelskammer an einem Projekt mit, bei dem ich über die in Argentinien ansässigen deutschen Vereinigungen Artikel schreibe, die in einem Buch publiziert werden und sozusagen ein Register für die in Argentinien vorhandenen deutschsprachigen Vereinigungen darstellt. Mein Arbeitstag ist immer sehr voll gepackt, da ich die Vereinigungen über die ich schreibe auch besuche und mich mit oftmals ehrenamtlichen Mitarbeitern über ihre Arbeit unterhalte. Neben Schulen und Kinderheimen, stehen auch Vereinigungen von ehemaligen argentinischen Stipendiaten in Deutschland auf meiner Besuchsliste.
Auf Grund der Vielseitigkeit meiner Arbeit vergeht die von 9 bis 18 Uhr festgeschriebene Arbeitszeit sehr schnell und ich komme gar zu der Ansicht, dass der Tag in Argentinien wohl mehr Stunden haben muss als in Deutschland. Nach der Arbeit besuche ich vier mal die Woche einen 1,5 Std. Spanischkurs, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern, danach gilt es sich mit Bekannten und Freunden zum gemeinsamen Abendessen zu treffen. Bei den Argentiniern beginnt nicht nur der Arbeitstag später, sondern auch die Mahlzeiten werden um rund eine Stunde Mittags und zwei bis drei Stunden Abends nach hinten verschoben. So ist es keine Seltenheit, dass wir uns erst gegen 22 Uhr zum äußerst köstlichen Abendessen verabreden. Neben dem berühmten „Bife de Lomo“ stehen aber auch noch unendlich viele Gerichte ohne Fleisch auf der Speisekarte. Die Gerichte schmecken derart lecker, dass mir selbst beim Schreiben schon wieder das Wasser im Munde zusammenläuft.
Die AHK befindet sich in einem 24-stöckigem Gebäude mitten in der Stadt, wobei wir den Ausblick aus dem 23. Stock genießen dürfen. Die Arbeit wird mir also jeden Tag mir der tollen Aussicht auf die Stadt "versüßt"!
Meine bisherigen Erfahrungen waren nur von positiver Natur und es freut mich, dass alles so wunderbar läuft, so dass ich Konstanz und den Bodensee nur ein ganz klein wenig vermisse.
Saludos de Buenos Aires
Die deutschsprachigen Vereinigungen in Buenos Aires / 2
4.Sep.2006
Die Tage und Wochen verstreichen wie im Fluge und kein Tag ist wie der andere, da man immer mit neuen Herausforderungen bei der Arbeit oder im Alltag konfrontiert wird. Vergangenen Montag besuchte ich im Rahmen meiner Arbeit das Berufsbildungszentrum in Villa Ballester, an dem ich bereits letztes Jahr mein Schulpraktikum absolviert habe.
In Kooperation mit der Deutsch-Argentinischenhandelskammer (AHK) und den deutschen Unternehmen bietet das BBZ in Buenos Aires drei Ausbildungsberufe an: In einer Ausbildungszeit von 2 Jahren werden interessierte Bewerber in den Berufen Industriekauffrau/mann; Groß- und Außenhandels Kauffrau/mann und Kauffrau/mann für Bürokommunikation ausgebildet. Die Ausbildung beginnt jeweils im März und endet im Dezember des darauffolgenden Jahres. In der Ausbildungszeit werden die jungen Erwachsenen im Unternehmen und in dem Berufsbildungszentrum ausgebildet. Die Schüler werden in vier bis fünf Wochenblocks in dem BBZ unterrichtet und zwischen den einzelnen Schulblöcken arbeiten und lernen die Auszubildenden in den Unternehmen in verschiedenen Abteilungen. Die Abschlüsse aller drei Ausbildungsberufe werden vom Deutschen Industrie- und Handelstag, der Zentrale der Industrie- und Handelskammern in Deutschland und den Außenhandelskammern anerkannt.
Ebenso konnte ich mir beim Besuch einer weiteren Schule einen Einblick in den erst kürzlich eingeführten Beruf im Bereich Technik verschaffen. Die bereits 1931 gegründete Höltersschule stellt ihre Räume den derzeit 15 Auszubildenden zur Verfügung. Die Einführung der neuen Berufssparte hat das Ziel, sich der modernen Weiterentwicklung der jungen Erwachsenen, der Industrie und der Wirtschaft anzupassen und eine Ausbildung zu schaffen, von der alle Beteiligten profitieren können.
Mit diesen Einblicken konnte ich meine Arbeit um einige wichtige Details erweitern und so nehmen die Berichte über die in Argentinien ansässigen deutschen Vereinigungen Gestalt an. Dennoch wird es noch eine ganze Weile dauern, bis das Register endgültig fertig ist. Die Berichte werden natürlich noch korrektur gelesen und ins Spanische übersetzt, so dass die Ausgabe des Buches in deutscher und spanischer Sprache erscheinen kann.
Neben meiner Arbeit konnte ich aber auch ein paar nette Orte dieser schönen Stadt besuchen. Auf dem nebenstehenden Bild ist der Puerto Madero zu sehen. Es ist das neueste und unkonventionellste der offiziell 48 Stadtviertel von Buenos Aires. Puerto Madero existiert erst seit rund 15 Jahren. Heute kann man hier zwischen ehemaligen Lagerhallen die in schicke Restaurants, Büros und Lofts umgebaut wurden bummeln. Vieles ist bereits fertig, andere der teuren Immobilien befinden sich noch in der Bauphase.
Auch konnte ich bei einer sogenannten „After-Office-Party“ den in Puerto Madero gelegenen Club „Opera Bay“ kennen lernen. Es sieht irgendwie aus, wie das flach gedrückte Opernhaus von Sydney und es wurde mir erzählt, dass sich in den Anfangszeiten des Clubs die etwas weniger vermögenden Frauen dachten, sie ziehen sich etwas schickes an und angeln sich einen vermögenden Mann, der nach getaner Arbeit die After-Office-Party zum Ausgleich nutzt. Nun war es aber letztendlich so, dass sich die weniger reichen Männer auch gedacht haben, sie ziehen sich einen schönen Anzug an und angeln sich eine der Frauen, die ja eigentlich einen reichen Mann kennen lernen wollten.
...ob sich diese Geschichte jedoch so zugetragen hat, ist fraglich.
So, mit diesem kleinen Schwank möchte ich meinen zweiten Bericht aus Buenos Aires beenden und falls sich Fragen, Anmerkungen, usw. ergeben, können diese gerne an meine Email-Adresse: annegret.krohmer@web.de gesendet werden.
Viele Grüße nach Deutschland, Annegret
Die deutschsprachigen Vereinigungen in Buenos Aires / 3
11.Sep.2006
Vergangenen Montag begab ich mich wieder im Rahmen meiner Arbeit auf Erkundungstour. Dieses mal wurde es mir ermöglicht, ein Kinderheim zu besuchen. Ende des letzten Jahrhunderts übernahm Maria Luisa Schulz die Aufgabe, Kinder notleidender deutschsprachiger Einwanderer zu sich zu nehmen, sie zu versorgen und zu erziehen. Es war sozusagen die Geburtsstunde des Maria-Luisen Kinderheims, das am 2. August 1905 mit offiziellem Status gegründet wurde. Das Ziel des Kinderheims ist es, einen Kinderhort für zum Teil erschütternde Sozialfälle in Argentinien aller Schattierungen zu sein. Es wird für Ernährung, Unterkunft und Erziehung sowie für ihre schulische Weiterbildung gesorgt. Viele Kinderaugen strahlten mich an und es war zu erkennen, dass den Kindern Dank den vielen freiwilligen Helfern ein zu Hause geschaffen worden ist, in dem sie sich wohlfühlen.
Die anderen Tage der Woche galt es, die bereits geschriebenen Berichte zu optimieren und die noch fehlenden zu verfassen. Das Team der „Berichte-Schreiber“ setzt sich aus dem für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Maximiliano Peréz Toews, den zwei ASA-Stipendiaten Silja Ostermann und Ulf Thöne sowie meiner Wenigkeit zusammen. Das Bild zeigt von links nach rechts den Hauptgeschäftsführer Dr. Klaus-Wilhelm Lege, Annegret, Ulf, Silja, Maxi und den Stv. Hauptgeschäftsführer Henning Höltei.
Neben einem argentinischen Kinofilm „Sofacama“, der mir durch seine typisch argentinischen Details sehr gefallen hat, besuchte ich ein etwas außergewöhnlicheres Theaterstück. Das von dem Deutschen René Pollesch geschriebene Stück, wurde mit Hilfe eines Argentiniers inszeniert und nannte sich schlicht und einfach „Sex“, worum es sich letztendlich auch drehte. Zum einen wird das Stück nur auf einer großen Leinwand gezeigt, das allerdings live mit einer Kamera hinter der Bühne gedreht und übertragen wird und zum anderen, werden diese Videofrequenzen durch die Anwesenheit der Schauspieler auf der Bühne unterbrochen. Sehr interessant und sehr gut gelungen!
Gestern besuchte ich den jeden Sonntag stattfindenden Markt in Recoleta ein Stadtviertel von Buenos Aires. Es heißt, dass hier die wirklich reichen Leute von Buenos Aires leben, das als schickstes und exklusivstes Viertel angesehen wird. Ende des 19. Jahrhunderts wohnten die „Portenos“ (Einwohner von BsAs) der Oberschicht zumeist in dem Stadtviertel San Telmo, doch auf Grund einer Gelbfieberepidemie, zogen diese in den Stadtteil Recoleta um. Heute sieht man den Reichtum hier vor allem an den Unmengen alter Herrschaftshäuser und den neuen internationalen Boutiquen.
In diesem Sinne verabschiede ich mich wieder für eine Woche und schicke viele Grüße nach Deutschland, Annegret
Die deutschsprachigen Vereinigungen in Buenos Aires / 4
18.Sep.2006
Beim Arbeiten ist alles beim Alten. Ich genieße weiterhin den überragenden Blick aus dem 23. Stock. Das Bild zeigt Puerto Madero und ganz am Horizont ist Uruquay zu erkennen. Das ist jedoch nur bei strahlendem Sonnenschein zu sehen. Ansonsten arbeiten wir weiterhin an unseren Berichten über die deutschstämmigen Vereinigungen in Buenos Aires und sind auch noch eine Weile damit beschäftigt. Man glaubt es gar nicht, wie viele deutschstämmige Vereinigungen sich über die Zeit hinweg halten konnten. Da es jedoch eilt, weil wir die Publikation am 27. November präsentieren wollen die Texte aber erst fertig gestellt werden müssen, korrigiert und ins Spanische zu übersetzen sind verbrachte ich diese Woche meine Zeit voll und ganz am Schreibtisch. Es war also keine Zeit für Besuche in den jeweiligen Vereinigungen.
Wofür man sich aber nach Feierabend immer Zeit nehmen muss, ist das leckere „Bife de Lomo“. Eines der besten Steaks der Stadt gibt es in dem berühmten Lokal „Desnivel“. Angeblich ist es mittags voll wie in einem Rock-Konzert, ich war allerdings nur Abends da und wenn man frühzeitig also gegen 21 Uhr hingeht, ist es noch kein Problem, einen Platz zu bekommen. Die Argentinier bevorzugen erst gegen 22 Uhr zu Abend zu essen und deshalb kann man sich noch ohne langes anstehen dem traditionellen Chorizo-Sandwich und natürlich dem legendäre "Bife de Lomo" widmen.
Neben dem Essen gibt es hier auch zahlreiche, wunderschöne Einkaufszentren. Eines davon ist das „Galerias Pacifico“, welches mitten im Zentrum in der Fußgängerstraße Florida ist. Dieses prachtvolle Einkaufszentrum ist selbst Sonntags voll mit Kunden aus dem In- und Ausland. Das Pacifico ist ganz im französischen Stil gehalten und stammt von 1889. Sehr zu bewundern sind die Gewölbedecken mit Gemälden von berühmen Künstlern. Bis zum Jahre 1992 war das Gebäude jahrelang verlassen, bis es dann von einem Team aus Mexikanern und Argentiniern restauriert wurde. Das Pacifico ist zu einem Treffpunkt im Zentrum mit edlen Geschäften und Restaurants geworden und ich für meinen Teil kann sagen, dass man dort wirklich sehr gut einkaufen kann wohl fast zu gut.
So... schnell zurück zur Arbeit und bis nächste Woche, Annegret
Die deutschsprachigen Vereinigungen in Buenos Aires / 5
28.Sep.2006
In der vergangenen Woche konzentrierten wir uns darauf, Erklärungen zu suchen, warum man überhaupt deutschsprachige bzw. deutschstämmige Vereinigungen in Argentinien fördern soll. Dies löste natürlich eine Kontroverse aus, da man sich die Frage stellt, ob die beispielsweise hier ansässigen Biermusikanten mit fünf Mitgliedern zu fördern sind oder nicht. Andererseits zählt auch das bereits in einem vorherigen Bericht von mir erwähnte Maria Luisen-Kinderheim zu einer deutschstämmigen Vereinigung und bei dieser sehr „sinnvollen“ Einrichtung lässt sich die Frage nach dem „warum fördern“ leichter beantworten als beispielsweise bei den Biermusikanten.
Dennoch mussten wir feststellen, dass diese Vereinigungen Teil unserer deutschen auswärtigen Kulturpolitik sind. Das „Deutsche-Leben“ soll den argentinischen Mitbürgern nähergebracht werden. Die auswärtige Kulturpolitik wird direkt oder indirekt als Instrument deutscher Außenpolitik eingesetzt. Teilweise können die Investitionen in deutschsprachige bzw. deutschstämmige Vereinigungen genutzt werden, um bei ausländischen Bürgern um Ver?ständnis zu werben, den Weg hinsichtlich multinationaler Zusammenarbeit zu bahnen, das Ansehen des eigenen Landes bei ausländischen Staatsbürgern zu erhöhen oder gar diese von sich kulturell abhängig zu machen.
Auch kamen wir zu dem Entschluss, dass es immer und überall mehr oder minder wichtige Einrichtungen geben wird, die aber dennoch Teil deutscher Kultur sind und um das Aussterben deutscher Kultur im Ausland zu verhindern, sind die Investitionen durchaus sinnvoll.
Allerdings steht dieser Aussage gegenüber, dass sich die verschiedenen Länder der Welt immer mehr angleichen und die Tendenz zu einer Massenkultur konvergiert. Es ist nicht leicht, hier einen Konsens zu finden was ich ebenfalls feststellen musste.
Nach getaner Arbeit im Wochenverlauf, bin ich vergangenen Samstag und Sonntag in Uruguay gewesen. Man kann ganz leicht mit dem sogenannten Buquebus eine Fähre, allerdings etwas größer als unsere altbekannten Bodenseefähren von Buenos Aires nach Colonia del Sacramento fahren.
Colonia del Sacramento ist eine am Río de la Plata gelegene Kleinstadt und ist die zugleich älteste Stadt Uruguays sowie Weltkulturerbe der Unesco.
Am Nachmittag ging es dann per Bus weiter nach Montevideo, die Hauptstadt Uruguays. Sie zählt ca. 1,3 Millionen Einwohner und ist das administrative, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes.
Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich und schicke viele Grüßen nach Deutschland, Annegret
Die deutschsprachigen Vereinigungen in Buenos Aires / 6
9.Okt.2006
Buenos Aires ist nicht unbedingt die Stadt, die das Leben in Argentinien zu genüge repräsentiert. Zwar leben mit rund 12 Millionen Einwohner über ein Drittel der Gesamtbevölkerung in Buenos Aires -unterscheidet sich die Stadt jedoch deutlich vom Rest Argentiniens. Das sogenannte Microcentro ähnelt eigentlich mehr einer europäischen Großstadt als einer Dritte-Welt-Stadt in Lateinamerika.
Die satten Prachtbauten stehen im krassen Gegensatz zu einem Familienhaus in einem der verarmten Provinzen z.B. im Nordosten Argentiniens, wo Strom und sauberes Wasser Luxus sind.
A uch die ethnische Herkunft spielt in Buenos Aires kaum eine Rolle, denn das Leben dort hat wenig mit dem einer indianischen Familie zu tun, die in einem einsamen Tal in dem tropischen Regenwald Argentiniens lebt.
Nach lateinamerikanischen Maßstäben verfügt das Land über eine große Mittelklasse, die allerdings seit der Wirtschafskrise 2001/02 sehr zu kämpfen hat. Aber auch die Oberschicht sticht vor allem in Buenos Aires ins Auge. Die Männer mit großen Autos und die Frauen mit ihren „Louis Vuitton-Täschchen" und denen gegenüber stehen in gleichem Atemzug die Cartoneros die Menschen, die sich Abends in den Straßen versammeln und den Müll auseinander sortieren, um so ein paar Pesos von der Stadt zu erhalten. Auch in den schicken Vierteln der Stadt Buenos Aires sind bettelnde Väter, Mütter und Kinder keine Seltenheit. Die Stadt strotzt nur so von einer „Schicki-Micki-Gesellschaft“, aber die Armut wartet an jeder Straßenecke.
Wir aus Deutschland zählen für die Menschen aus Argentinien automatisch zur Oberschicht, was das Leben in gewissem Maße auch gefährlicher macht Zwar fühle ich mich nicht gefährdet, da die Argentinier zumeist denken, dass Deutsche zugleich blond sein müssen, ich als „Dunkler-Typ“ nicht großartig auffalle, aber dennoch ist Vorsicht geboten. Wenn man sich allerdings an gewisse Regeln hält, sein Glück nicht unnötig strapaziert, kann man sich auch Nachts unbeschwert in den Straßen aufhalten.
In diesem Sinne, eine schöne Woche und bis bald, Annegret
Die deutschsprachigen Vereinigungen in Buenos Aires / 7
18.Okt.2006
Ein Erlebnis der ganz besonderen Art, war mein Besuch bei einem Fußballspiel der Boca-Juniors. Der Klub wurde am 3. April 1905 von italienischen Einwanderern in Buenos Aires gegründet und befindet sich im Statteil La Boca, das zugleich die Namensgebung des Vereins übernommen hat. Auch das Stadion, das liebevoll „Bonbonera“ (Pralinenschachtel) genannt wird, befindet sich dort. Neben den Boca Juniors gibt es noch den rivalisierenden Club River Plate. Die River-Fans nennen die Anhänger Bocas „Bosteros“, die nach den früheren Angestellten der Stadt benannt wurden, die die Straßen von Pferdekot gereinigt hatten. Im Gegenzug nennen die Boca-Anhänger den Rivalen River Plate „Gallinas“ was im übertragenen Sinne so viel wie „Feiglinge“ bedeutet.
Die Unterschiede zwischen beiden Clubs könnten unterschiedlicher nicht sein. River Plate ist der Club, der in dem Stadtteil von Buenos Aires liegt, in dem sich schöne Häuser und reiche Leute nur so tümmeln, hingegen ist Boca ein Stadtteil, vor dem man gewarnt wird, sich dort aufzuhalten. Diese beiden Vereine spalten die Stadt. Rund 40 Prozent der Argentinier sind Boca-Fans und rund 33 Prozent tendieren zu River. Im Endeffekt interessieren sich ca. 73 Prozent aller Argentinier nur für diese zwei Vereine.
Fußball ist in Argentinien sozusagen „Opium für’s Volk“! Jeder ob arm, ob reich hat die Möglichkeit Fußball zu spielen, denn was braucht man schon außer einem Ball und selbst den kann man improvisieren. Auf Grund dessen, dass Fußball in allen Schichten Argentiniens verbreitet ist, ist der Sport hier von purer Leidenschaft geprägt. Es ist hier nicht nur Fußball, die Leute identifizieren sich mit Haut und Haar mit ihrem Verein und vergessen in den 90 Minuten all die Probleme, die viele hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage haben.
Warum von den Besuchen im Stadtteil Boca und im Stadion von vielen abgeraten wird resultiert aus folgenden Gründen. Die richtig „harten“ Boca-Fans, sie werden „Barra-Bravas“ genannt, sind teilweise organisiert wie die Mafia. Sie haben eine Art Chef und arbeiten sogar mit Politikern zusammen bzw. diese werden von Politikern benutzt, um Macht auf die Gesellschaft auszuüben. So gab es zum Beispiel kürzlich in einem Krankenhaus einen Streik der Angestellten, da diese seit mehreren Monaten kein Gehalt mehr bekommen hatten, plötzlich tauchten dort Leute auf, die die Streikenden verprügelt haben sie wurden als die „Barra-Bravas“ erkannt. Ein weiteres Beispiel bietet das vor gut einem Jahr stattgefundene Lenny Kravitz-Konzert: Es fand im Boca-Stadion statt und die „Barra-Bravas“ wurden als Sicherheitsleute angeheuert da sorgen also die Leute für Sicherheit, die eigentlich Unsicherheit verbreiten. Dies zeigt eindeutig, wie viel Macht von diesen Fans ausgeht.
Dennoch muss ich sagen, dass der Besuch in der „Bombonera“ ein einmaliges Erlebnis ist, denn durch die „Liebe und Leidenschaft“ zum Spiel herrscht in dem Stadion eine Atmosphäre sonders gleichen. Auch das Spiel selbst geht härter zur Sache als in der deutschen Bundesliga. So sind drei rote Karten in der ersten Halbzeit keine Seltenheit. Natürlich gibt es auch hier sogenannte „Modefans“ von Boca, aber wo gibt es die nicht...
Schöne Grüße in die Heimat, Annegret
Die deutschsprachigen Vereinigungen in Buenos Aires / 8
31.Okt.2006
Sehr interessant war der Besuch in der Neuen Jüdischen Gemeinde Emanu El NCI. Sie wurde am 1. Oktober 1939 gegründet und ihre Zielsetzung war es, nach den Eindrücken des Krieges in Europa, Gemeinschaften an allen Orten der Welt zu gründen, um Flüchtlingen Zuflucht, Schutz, Rettung und die Möglichkeit zu einem Neubeginn zu geben. Der NCI zählt heute rund 250 Familien als Mitglieder. Neben religiöser Ausübung und kulturellem Zusammentreffen widmen sich die Mitglieder des NCI Emanu El verstärkt sozialen Fragen und Problemen.
Nach der großen Wirtschaftkrise in Argentinien 2001/02 hat sich die finanzielle Lage vieler Mitbürger immer noch nicht gebessert. Für diejenigen, die der Unterstützung bedürfen, bietet der NCI ein reichhaltiges Angebot an Unterstützung. Hier sind zu nennen der Essensraum, der 100 Personen fasst und täglich Bedürftige mit Nahrung versorgt, die Kleidungsbörse, ein Arzt, eine Apotheke und ein Optiker. Auch werden Gutscheine für den Supermarkt verteilt, damit sich die Hilfsbedürftigen Nahrung kaufen können. Zu betonen ist, dass die Hilfe nicht ausschließlich jüdischen Mitbürgern angeboten wird, ganz im Gegenteil: 95 % der täglichen Besucher des Essensraumes sind nicht Angehörige des jüdischen Glaubens.
Was besonders auffällig war, sind die enormen Sicherheitsvorkehrungen, die alle jüdischen Institutionen in Buenos Aires treffen. So dürfen beispielsweise keine Fotos von dem Gebäude gemacht werden, aus Angst, diese könnten zu Anschlagszwecken genutzt werden. Berücksichtig man allerdings die Ereignisse von 1992, als die israelische Botschaft in Buenos Aires Opfer eines Anschlags wurde und 1994 die AMIA Asociación Mutual Israelita Argentina durch einen Bombenanschlag der Hisbollah einige Mitglieder verloren hat so versteht man durchaus die Vorsicht. Die jüdischen Gemeinden ähneln hier eher einem Hochsicherheitstrakt als einer besinnlichen Glaubensstätte.
Viele Grüße nach Deutschland, Annegret
Argentinien... das war's!!
10.Nov.2006
Durch meine Projektarbeit in der Kammer erlangte ich eine Menge Einblicke in die verschiedenen Aktivitäten von nationalen und internationalen Unternehmen im Bereich Corporate Social Responsibility CSR. Im Rahmen meines Projektes evaluierte ich Fragebögen, die von deutschstämmigen bzw. deutschsprachigen Vereinigungen in Argentinien beantwortet wurden. Mit den Fragebogen-Informationen und weiterem Material erstellte ich Berichte, die in der Anfang 2007 erscheinenden Publikation der Auslandshandelskammer, veröffentlicht werden. Ziel dieser Veröffentlichung ist es insbesondere, Unternehmen anhand von Projektbeispielen und Hinweisen zum Projektmanagement Anreize zu nachhaltigem sozialen Engagement zu geben.
Zur Vervollständigung meiner Recherchearbeit besuchte ich wie so oft berichtet mehrere Vereinigungen bzw. Institutionen und deren soziale und kulturelle Einrichtungen. Auch konnte ich mir durch meine Besuche in den wichtigsten deutschsprachigen Schulen in Buenos Aires einen Überblick über die Unterschiede zu Deutschland verschaffen. Was mich besonders interessiert hat, da ich Anfang 2008 selbst in den Schuldienst eintreten werde.
Tja... was soll ich sagen... Ich glaube, ich sag’s jetzt einfach mal ganz salopp: Mein Projekt mit allem drum und dran, sei es die Arbeit, meine Arbeitskollegen, das Ambiente im 23. Stock mit Blick über ganz Buenos Aires... es war schlichtweg der Hammer! Auf Grund dessen bedanke ich mich ganz herzlich bei Translake, dass sie mir diese Erfahrung ermöglicht haben. Insbesondere geht mein Dank an Silke Böttcher und Wolfgang Himmel, die mir stets den Rücken gestärkt haben.
Nach nun 3 Monaten harter Arbeit und es war wirklich Arbeit und kein Zuckerschlecken werde ich mich am Montag in den Flieger nach Brasilien setzen und am Strand von Florianopolis meine Zeit in Südamerika erholsam ausklingen lassen. Am 26. November geht’s dann zurück nach Deutschland und ich freu’ mich drauf. Werden dann wohl rund 30 Grad Temperaturunterschied sein, aber ... „daheim is’ es halt doch am Schönsten“!
Zum Abschied lasse ich nun ein paar Bilder sprechen, da Argentinien nur mit Worten nicht zu beschreiben ist...
Bis bald, Annegret
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